Mario Rumpf

Cybersecurity zwischen Realität und Thriller

Kategorie: Security

  • Reziprozität: die Macht des kleinen Gefallens

    Reziprozität: die Macht des kleinen Gefallens

    Was ist Reziprozität?

    Du bist auf einem Kongress. Am Stand eines Consultingunternehmens drückt dir eine freundliche Frau einen Kaffee in die Hand und fragt wie dein Tag bisher war. Sie erzählt ganz offen, dass sie selbst noch nicht so lange in der Branche arbeitet und manche Themen noch nicht ganz durchschaut hat. Zehn Minuten später hast du ihr erklärt, welche Systeme ihr im Haus einsetzt, wer für interne Freigaben verantwortlich ist und dass ein spezieller Prozess Verbesserungspotential hat. Niemand hat dich dazu gezwungen diese Informationen preiszugeben. Du wolltest einfach nur nett sein.

    Reziprozität ist das tief verankerte Bedürfnis, etwas zurückzugeben, wenn man etwas bekommen hat. Ein Geschenk, einen Gefallen, ein Zugeständnis oder auch nur eine persönliche Information. Wir fühlen uns in der Schuld etwas zurückzugeben müssen. Es fühlt sich unangenehm an, nichts zu tun.

    Im üblichen Alltag ist das was ganz Normales und Gutes. Reziprozität hält soziale Kontakte, Freundschaften, Nachbarschaften und Beziehungen zusammen. Genau deswegen ist sie aber auch eines der wirksamsten Werkzeuge von Spionen und Social Engineers. Wir werden uns nun genauer anschauen, wie das psychologisch funktioniert, wie es in Spionage und Cyberangriffen eingesetzt wird und wie man sich davor schützt.

    Die Psychologie dahinter

    Eine Regel die überall gilt

    Der Soziologe Alvin Gouldner beschrieb 1960 die „Norm der Reziprozität“ als eine der wenigen sozialen Regeln, die in praktisch allen Kulturen vorkommen. Wer dir hilft, dem hilfst du. Und wer dir hilft, dem schadest du nicht. Einige Jahrzehnte davor hat der Ethnologe Marcel Mauss beschrieben, dass Geschenke in traditionellen Gesellschaften nie wirklich „gratis“ sind, sondern immer eine Pflicht zur Gegengabe erzeugen.

    Warum ist das so tief in uns verankert? Kooperation war überlebenswichtig. Wer teilte und darauf vertrauen konnte, dass ihm später auch geholfen wird, hatte bessere Chancen. Ernst Fehr und Simon Gächter (Verhaltensökonomen) zeigten in einigen Experimenten, dass Menschen Freundlichkeit selbst dann erwidern, wenn es ihnen finanziell nichts bringt. Unfaires Verhalten wurde auch bestraft, auch wenn sie es selbst etwas kostet.

    Das wohl bekannteste Experiment stammt von Dennis Regan (1971). Versuchspersonen sollten gemeinsam mit einem anderen Teilnehmer Kunstwerke bewerten. Der andere Teilnehmer war in Wirklichkeit ein Mitarbeiter des Versuchsleiters. In der Pause brachte er ungefragt einem Teil der Versuchspersonen eine Cola mit. Später bat er alle, ihm Tickets für eine Verlosung abzukaufen. Wer vorher eine Cola bekommen hatte, kaufte durchschnittlich doppelt so viele Tickets, obwohl die Tickets mehr kosteten als die Cola. Was noch spannend war: Regan hatte die Teilnehmer auch befragt, wie sympathisch die Versuchspersonen den anderen Teilnehmer fanden. Bei denen, die eine Cola bekamen, spielte Sympathie kaum eine Rolle. Das Gefühl jemandem etwas zu schulden war stärker als die Frage, ob man jemanden mag.

    Der Soziologe Philip Kunz schickte zusammen mit Michael Woolcott Weihnachtskarten an ca. 600 völlig Fremde. Ca. 20% schickten eine Karte zurück, manche mit langen Briefen und Familienfotos, ohne zu wissen wer der Absender war.

    Eine Studie in Gasthäusern zeigte, dass wenn eine Kellnerin ein Zuckerl zur Rechnung dazu legte, das Trinkgeld nur leicht stieg. Bei zwei Zuckerl stieg das Trinkgeld deutlich an. Wenn sie eines hinlegte und sich zum Gehen umdrehte, dann aber kehrt machte und mit den Worten „für euch netten Leute“ noch ein zweites dazulegte, stieg das Trinkgeld um ca. 23% (Strohmetz et al, 2002).

    Reziprozität im Detail

    Es gibt mehrere Varianten der Reziprozität, die von Angreifern genutzt werden.

    Das ungebetene Geschenk

    Jemand gibt dir etwas, um das du nicht gebeten hast. Ein Kaffee, ein Werbegeschenk, ein Tipp, ein Kontakt. Du kannst es kaum ablehnen, ohne unhöflich zu wirken. Jedoch hast du trotzdem das Gefühl, etwas zu schulden. Robert Cialdini nennt das in seinem Buch „Influence“ den Kern der Reziprozitätsfalle. Der Geber bestimmt, was gegeben wird und damit auch, wann die Schuld entsteht. Die Gegenleistung ist teilweise größer als das Geschenk, das man erhalten hat.

    Das Zugeständnis

    Reziprozität gilt auch für Zugeständnisse. Cialdini und seine Kollegen fragten Studenten, ob sie zwei Jahre lang wöchentlich als Betreuer für straffällige Jugendliche arbeiten würden. Fast alle lehnten ab. Dann kam die kleinere Bitte. Einmal eine Gruppe Jugendlicher für zwei Stunden in den Zoo zu begleiten. Wer zuerst die große Bitte abgelehnt hatte, sagte deutlich häufiger Ja als jene, die nur die kleine Bitte gehört hatten. Das nennt man die „Door in the face“ Technik. Der andere ist mir entgegengekommen, also komme ich ihm auch entgegen. Bei Social Engineering wäre das so umgelegt: „Ich bräuchte eigentlich Administrator Zugriff auf das ganze Laufwerk. Ah ok, verstehe, geht nicht. Könntest du mir dann zumindest die eine Datei schicken?“

    Information gegen Information

    Offenheit wird auch erwidert. Wer etwas Persönliches erzählt, bekommt meistens etwas Persönliches zurück. Eine Metaanalyse von Nancy Collins und Lynn Miller zeigt, dass Menschen sich gegenüber jenen stärker öffnen, die sich zuvor ihnen gegenüber geöffnet haben. Genau das macht die Frau am Messestand aus der Einleitung. Es wird zuerst etwas preisgegeben („ich bin neu hier, verstehe nicht alles…“) und bekommt dafür echte Informationen zurück. Unter Geheimdiensten heißt diese Gesprächstechnik „Elicitation“. Es sollen Informationen herausgelockt werden, ohne dass das Gegenüber etwas merkt.

    Die Gefallen*d*en

    Große Wünsche und Bitten kommen selten am Anfang. Freedman und Fraser haben im Jahr 1966 gezeigt, dass Menschen, die eine kleinen Bitte, einem kleinen Gefallen zugestimmt haben, später auch größeren Bitten leichter zustimmen („Foot in the door“). Kombiniert mit Reziprozität entsteht eine Hebelwirkung. Ich geb dir etwas Kleines, du gibst mir was Kleines zurück. Ich gebe dir etwas Größeres, du gibst mir was größeres zurück. Irgendwann ist man so tief in diesem Austausch, dass ein Nein kaum mehr möglich ist. Vorallem wenn man Dinge oder Informationen weitergegeben hat, die man nicht hätte weitergeben dürfen. Für einen Angreifer ist diese Herangehensweise mit mehr Aufwand verbunden, da sie einiges an Vorarbeit und Zeit voraussetzt. Jedoch ist sie am Ende am lohnenswertesten.

    Der Benjamin-Franklin-Effekt

    Es klingt zwar paradox, funktioniert aber. Wenn man jemanden um einen kleinen Gefallen bittet, wird man von ihm danach oft sympathischer gefunden. Jecker und Landy (1969) zeigten, dass Versuchspersonen den Versuchsleiter mehr mochten, wenn er sie persönlich um einen Gefallen gebeten hatte. Zum Beispiel: „Kannst du mir kurz sagen, wo ich das Formular finde?“

    Der Zeitfaktor

    Das Schuldgefühl hält nicht ewig. Burger und Kollegen fanden 1997 heraus, dass die Bereitschaft zur Gegenleistung nach einem Gefallen mit der Zeit nachlässt. Entweder fragen Angreifer meistens kurz nach dem Geschenk oder die Bindung wird mit kleinen Gesten oder Geschenken aufrecht erhalten.

    Reziprozität in der Spionage

    MICE zu RASCLS

    Lange galt in der Spionageabwehr das Modell MICE als Grundlage, warum Menschen zu Verrätern werden: Money, Ideology, Compromise, Ego. 2013 schlug Randy Burkett, in der CIA Zeitschrift „Studies in Intelligence“ ein modernes Modell mit dem Namen RASCLS vor. Es basiert direkt auf Cialdinis Prinzipien der Beeinflussung (Reciprocation, Authority, Scarcity, Commitment/Consistency, Liking, Social Proof) und Reziprozität steht dabei nicht zufällig an der ersten Stelle. Burkett beschreibt sie als eine der ersten Lektionen in der Ausbildung von Führungsoffizieren. Bei jedem Treffen eine Kleinigkeit anbieten. Z.B: einen Kaffee oder ein Essen. Noch wirkungsvoller ist es, ein kleines Problem der Zielperson zu lösen, das sie im Gespräch nebenbei erwähnt hat. Hilfe bei einem Visum oder ein Kontakt. Daraus entsteht eine Beziehung, in der die Zielperson das Gefühl hat, etwas zurückgeben zu wollen. Kombiniert mit kleinen Verpflichtungen wird daraus Schritt für Schritt eine echte Anwerbung.

    Der Fall Glenn Duffie Shriver

    Wie das im echten Leben funktioniert, zeigt der Fall des Amerikaners Glenn Duffie Shriver. Er lebte nach dem Studium in Shanghai und hatte wenige Mittel, als er 2004 auf eine englischsprachige Anzeige antwortete. Gesucht wurden Leute, die gegen Bezahlung Aufsätze über die Beziehungen zwischen den USA und China schreiben. Eine Frau namens „Amanda“ traf sich mit ihm, lobte seinen Text und zahlte ihm $120. Ein paar Monate später meldete sie sich wieder. Der Aufsatz wäre so gut gewesen und ob er nicht ihre Kollegen kennenlernen wollen würde. Diese „Freunde“, Mitarbeiter des chinesischen Geheimdienstes, überzeugten ihn, sich bei US-Behörden zu bewerben, um schlussendlich Informationen abzugreifen. Für den ersten, gescheiterten Versuch beim Foreign Service Exam bekam er $10.000 für die „Freundschaft“. Für den zweiten Versuch $20.000. Später bewarb er sich bei der CIA. Insgesamt flossen rund $70.000. 2010 wurde er verhaftet, da er sich in Lügen beim Aufnahmetest bei der CIA verstrickte und er wurde zu vier Jahren Haft verurteilt. Das FBI hat den Fall später im Kurzfilm „Game of Pawns“ verfilmt. Hier kann man den Wikipedia Artikel und den Link zum Film finden: https://en.wikipedia.org/wiki/Glenn_Duffie_Shriver

    Heutzutage über Anwerbung via LinkedIn

    Die Methode bleibt gleich. Der britische Geheimdienst MI5 warnte 2022, dass ausländische Dienste über 10.000 verdeckte Annäherungen über berufliche Netzwerke wie LinkedIn gestartet hatten. 2023 sprach MI5 Chef Ken McCallum bereits von rund 20.000 Briten, die allein von chinesischen Stellen kontaktiert wurden. Wie läuft es ab? Ein freundlicher Headhunter oder Thinktank bietet bezahlte Beratungsaufträge, Vorträge oder Reisen an. Zuerst geht es um harmlose Analysen, dann um immer spezifischere Informationen. Ähnlich wie bei Shriver, jedoch von zuhause aus und skalierbar. Generell wird stark in den Social Media Netzwerken geworben. Bei LinkedIn unter dem Deckmantel der Karriere, bei Facebook über Freundschaften und Reisen.

    Social Engineering und Cybersecurity

    Was für Geheimdienste funktioniert, funktioniert für Social Engineering ebenso. Sicherheitsforscher haben echte Phishing Mails untersucht und genau dort die psychologischen Tricks gefunden, die wir oben kennengelernt haben. Wenn man hinschaut, erkennt man immer den gleichen Hebel, unsere Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit. Das ist aber keine Schwäche, kann aber ein Einfallstor sein (Ferreira et al., 2015).

    Quid pro quo, Passwort gegen Schokolade

    Die direkte Form heißt im Social Engineering „Quid pro quo“, etwas gegen etwas. Wie wenig es dafür braucht, zeigte eine Umfrage der Veranstalter der Messe Infosecurity Europe 2004. Am Londoner Bahnhof wurden 172 Büroangestellte befragt, ob sie ihr Passwort für eine Tafel Schokolade verraten würden. 71% sagten Ja. Ungefähr ein Drittel gab das Passwort sogar sofort und ohne Gegenleistung heraus. Es war zwar keine wissenschaftliche Studie und ob die genannten Passwörter echt waren, wurde nicht überprüft. Dennoch beängstigend.

    Auch das klassische Werbegeschenk hat eine dunkle Seite. Ein USB-Stick mit Firmenlogo vom Messestand, ein Gratis-Ladegerät, eine Gratis-Powerbank, eine „kostenlose Sicherheitsanalyse“ eines unbekannten Dienstleisters. Wer etwas geschenkt bekommt, ist weniger misstrauisch und will nicht unhöflich wirken.

    XZ Utils: Zwei Jahre Hilfsbereitschaft als Angriff (2024)

    Das eindrucksvollste aktuelle Beispiel kommt aus der Open Source Welt. Ab 2021 lieferte eine Person unter dem Namen „Jia Tan“ nützliche Beiträge für XZ Utils, eine Komprimierungsbibliothek, die in fast jeder Linux Distribution steckt. Der ursprüngliche Maintainer war überlastet und arbeitete alleine. Jia Tan half über lange Zeit zuverlässig mit, während andere Accounts öffentlich Druck auf den Maintainer machten, endlich Unterstützung anzunehmen. Schließlich bekam Jia Tan selbst Maintainer Rechte. Im Frühjahr 2024 baute er eine Hintertür ein, die über SSH Zugriff auf unzählige Server ermöglicht hätte. Entdeckt wurde sie nur zufällig, weil dem Microsoft Entwickler Andres Freund eine Verzögerung von einer halben Sekunde beim SSH-Login aufgefallen war. Hier greifen Reziprozität, Gefallen und sozialer Druck ineinander. Wenn man jahrelang unterstützt hat, bekommt man auch Vertrauen und Zugriff zurück.

    Wie kann man sich schützen?

    Reziprozität abzuschalten ist weder möglich noch wünschenswert. Wir wollen nicht zu Menschen werden, die jede Freundlichkeit verdächtig finden. Es geht darum sie zu erkennen und bewusst zu machen und dementsprechend zu handeln.

    Was du selbst tun kannst

    • Cialdini empfiehlt grundsätzlich ein Geschenk anzunehmen, es aber gedanklich richtig einzuordnen. Ist es ein echter Gefallen oder eine Verkaufs oder Manipulationstaktik? Wenn es letzteres ist, schuldest du nichts. Der Druck verschwindet sobald man ihn benennt.
    • Gefallen und Bitte trennen. Wenn kurz nach einer Freundlichkeit eine Bitte bekommt sollte man kurz innehalten und sich fragen ob man das auch machen würde, wenn man nicht bekommen hätte.
    • Achte auf das Ungleichgewicht. Kaffee gegen Zugangsdaten, Lob gegen interne Informationen. Wenn die Gegenleistung in keinem Verhältnis steht, ist das ein Warnsignal.
    • Vorsicht bei Gesprächen, die zu gut laufen. Wenn dein Gegenüber sehr offen ist und du merkst, dass du mehr erzählst als du wolltest, hör auf dein Bauchgefühl.
    • Unbekannte Kontakte prüfen. Bei Angeboten über LinkedIn, insbesondere bei bezahlten Beratungen, Vorträgen oder Reisen, achte darauf wer dahinter steckt und ob es die Firma wirklich gibt. Warum wirst genau du kontaktiert?

    Was Unternehmen tun sollten

    • Es sollte eine Geschenkerichtlinie geben. Was darf angenommen werden, was muss gemeldet werden
    • Angestellte sollten jegliche ungewöhnlichen Annäherungen, ob auf Messen oder Konferenzen, ohne Angst von Konsequenzen melden dürfen.
    • Prozesse für Zugriffsrechte, Überweisungen, Passwortresets und Ausnahmen definieren.
    • Awareness Trainings sollten psychologische Aspekte beinhalten.

    Warnzeichen (Red Flags)

    • Jemand gibt dir etwas, um das du nicht gebeten hast und danach kommt eine Bitte.
    • Die Gegenleistung ist deutlich größer als das, was du bekommen hast
    • Dein Gegenüber löst ein Problem, das du nur nebenbei erwähnt hast
    • Du erzählst mehr, als du eigentlich wolltest, weil der andere so offen ist
    • Nach einer großen Bitte, die du abgelehnt hast, kommt sofort eine kleinere
    • Die Bitten werden mit der Zeit schrittweise größer
    • Ein unbekannter Kontakt bietet bezahlte Aufträge, Vorträge oder Reisen an
    • Du hast das Gefühl „es schuldig zu sein“
    • Es wird an die „Freundschaft“ appelliert, um eine Ausnahme zu bekommen
    • Jemand der bisher nur geholfen hat, will plötzlich Zugriff oder Rechte

    Ich hoffe ich konnte dein Bewusstsein für diese Art der Manipulation etwas schärfen und wünsche dir einen schönen Tag!

    Gerne kannst du mir dein Feedback an die Mail blog@mariorumpf.com senden.

  • AI als Werkzeug für Social Engineering

    Was hat sich geändert?

    Du bekommst eine E-Mail von deinem Vorgesetzen. Er bezieht sich auf das Projektmeeting von letzter Woche, nennt den Kunden beim Namend und schreibt in genau dem Ton, den du von ihm kennst. Im Anhang bekommst du die neue „Projektplanung“. Kein schlechtes Deutsch, keine komische Anrede, nichts, dass dir merkwürdig vorkommt. Geschrieben hat das E-Mail aber nicht dein Vorgesetzter, sondern eine AI. Nicht nur an dich, sondern an einige deiner Kollegen, jedes Mail leicht anders.

    Social Engineering hat schon immer funktioniert, weil es den Menschen angreift und keine technischen Künste verlangt. Vor der AI musste man händisch recherchieren, Texte schreiben, Telefonate führen und passende Angriffswege selbst suchen.

    Phishing als Bruteforce

    Phishing ist bis dato noch immer einer der häufigsten Angriffsmethoden um in ein Unternehmen einzubrechen. Früher hat man Phishing Mails durch die holprige Sprache leicht erkennen können. Das ist nun nicht mehr so leicht.

    Mittels LLMs kan man Social Media Profile, Firmenseiten, Pressemeldungen, LinkedIn und Job Postings automatisch auswerten lassen und sich passende Mails für jede einzelne Zielperson generieren. Diese Mails sind dann genau auf die Position und Interessen des Opfers angepasst. Das dauert nun nur mehr Minuten. Früher hat man dafür Stunden gebraucht.

    Spear Phishing auf die VIPs

    Gefährlich wird es, wenn exponierte Schlüsselpersonen angegriffen werden, z.b. Geschäftsführung, Finanzchef, IT. Beispiel: Ein Angreifer lässt eine AI den letzten Geschäftsbericht und ein paar interviews des CEO auswerten. Daraus entsteht ein Mail an den Finanzchef, das konkrete Zahlen aus dem Bericht referenziert und genau so klingt, wie der CEO sonst schreibt bzw. redet.

    Deepfakes: Wenn der Chef anruft, der gar nicht der Chef ist

    Deepfakes sind durch AI erzeugte Audio oder Videoaufnahmen, die echte Personen nachahmen. Diese sind mittlerweilse sehr schwer zu erkennen. Damit diese Deepfakes erzeugt werden können, müssen Audio oder Videoaufnahmen der Person vorhanden sein. Für Angreifer ist es jedoch heutzutage leicht an solches Material zu kommen, da von den Firmen gerne Marketing betrieben wird und der Großteil auf Social Media hochgeladen wird. Vorallem gibt es unzählige Pressevideos und Interviews von Schlüsselpositionen wie von der Geschäftsführung online.

    Hier ein paar reale Beispiele:

    Arup: 25 Mio EUR nach einem Videocall (2024)

    Ein Mitarbeiter der Finanzabteilung des britischen Konzerns Arup in Hongkong bekam 2024 eine E-Mail vom angeblichen Finanzvorstand aus London. Es handle sich um eine vertrauliche Transaktion. Der Mitarbeiter war am Anfang mistrauisch. Jedoch wurde er zu einem Videocall eingeladen in dem der CEO und mehrere bekannte Kollegen saßen. Alle waren fake. Der Mitarbeiter tätigte im Anschluss 15 Überweisungen in der Höhe von insgesamt 25 Mio EUR auf fünf Konten. Erkannt wurde der Vorfall erst duch die Nachfrage bei der echten Firmenzentrale.

    Fideuram: 95 Mio EUR (2026)

    Fideuram habe ich bereits im Artikel Was ist OSINT und warum ist es relevant? erwähnt.

    Ferrari (2024)

    Ferrari zeigt, dass man es auch erkennen kann. Im Jahr 2024 bekam ein Manager mehrere WhatsApp Nachrichten vom angeblichen CEO Benedetto Vigna. Das Profilbild hat gepasst, dahinter war das Ferrari Logo, jedoch kam die Nachricht von einer unbekannten Nummer. Es folgte ein kurzes Telefonat, die Stimme und der Dialekt passten auch. Es sei wichtig und wäre ein vertrauliches Geschäft mit Bezug zu China und eine Währungsabsicherung. Der Manager wurde misstrauisch und stellte eine einfache Frage: Welches Buch hat Vigna ihm vo ein paar Tagen empfohlen? Der Anfruf wurde abgebrochen.

    Wie kann man sich schützen?

    Zweiten Kanal verwenden

    Jede wichtige Anfrage (Überweisung, Änderung der Bankdaten, Zugangsdaten, vertrauliche Informationen) sollte über einen zweiten Kanal verifiziert werden. Man sollte immer die offiziellen Nummern und Kontaktdaten dafür verwenden.

    Vier Augen Prinzip

    Zahlungen und Änderungen von Kundendaten sollten immer durch eine mehrstufige Freigabe bearbeitet werden. Ein einzelner Anruf darf nicht reichen.

    Notfallcodes und Kontrollfragen

    Es macht Sinn, sich für Notfälle ein Codewort oder eine Kontrollfrage zu überlegen. Vorallem innerhalb der Geschäftsführung. Siehe Beispiel Ferrari.

    Technische Maßnahmen

    Eine Phishingresistente Authentifizierung einführen (Passkeys, FIDO2 usw.). Mails von Extern kennzeichnen, Systeme aktuell halten und abhärten.

    Awareness

    MitarbeiterInnen müssen nachfragen dürfen. Nachfragen sollte belohnt werden.

    Phishing Simulationen durchführen.

    Weniger veröffentlichen. Umso weniger Informationen öffentlich einsehbar sind, umso schwieriger ist es für Angreifer.

    Warnzeichen (Red Flags)

    • Die Anfrage ist dringend und vertraulich
    • Der Vorgesetzte meldet sich über einen ungewohnten Kanal
    • Man soll einen Prozess umgehen, ausnahmsweise
    • Geld, neue Bankdaten oder Zugangsdaten werden benötigt
    • Ein Rückruf wird abgelehnt oder auf später verschoben
    • Im Videocall wird die Kamera deaktiviert oder das Bild ruckelt auffällig oder die Verbindung bricht beim Nachfragen ab.
    • Die Stimme hat einen etwas anderen Sprechrythmus, mechanisch oder die Betonung passt nicht.
    • Der Anrufer weiß viel, kann/will persönliche Fragen nicht beantworten
    • IT Support meldet sich unaufgefordert per Chat oder Videocall
    • Die Nachricht geht um Loyalität, Druck oder Angstmache
  • Social Engineering im echten Leben

    Der Mensch als Einfallstor

    Es ist Dienstagvormittag. Ein Mann in Warnweste, mit Werkzeugkoffer, Overall und Klemmbrett steht vor der Tür zum Bürotrakt. „Morgen, ich bin von der Haustechnik, wegen der Klimaanlage im zweiten Stock.“ Du hältst ihm die Tür auf. Warum auch nicht? Er sieht aus wie von der Hausverwaltung, ist freundlich und hat es anscheinend eilig. Eine halbe Stunde später ist er fertig und wieder draußen. In der Zwischenzeit hat er einen kleinen Netzwerkadapter hinter dem Drucker angesteckt und ein paar Fotos von Bildschirmen gemacht.

    Das ist Social Engineering. Angreifer umgehen Menschen. Sie nutzen Vertrauen, Hilfsbereitschaft, Neugier, Respekt vor Autorität und Angst. Die Beste Firewall nützt nichts, wenn jemand dem Angreifer freundlich die Tür öffnet.

    In der IT-Sicherheit nutzen wir diese Methoden auch bewusst, z.B. bei Penetrationtests, um Schwachstellen zu finden, bevor echte Angreifer es tun. Damit man sich schützen kann, muss man aber verstehen, wie sie funktionieren. In diesem Artikel schauen wir uns die häufigsten Formen an. Falsche Ausweise, Uniformen, Rollenspiel, Phishing und ganz alltägliche Manipulationen.

    Ausweise und Uniformen, der Schein von Autorität

    Der Hauptmann von Köpenick

    Das wohl berühmteste Beispiel für die macht einer Uniform stammt aus dem Jahr 1906. Der arbeitslose Schuster Wilhelm Voigt kaufte sich bei verschiedenen Gebrauchtmärkten eine gebrauchte Hauptmannsuniform zusammen. Damit stellte er sich auf die Straße, hielt einen Trupp Soldaten an und befahl ihnen, ihm zu folgen. Sie gehorchten. Mit ihnen besetzte er das Rathaus von Köpenick bei Berlin, ließ den Bürgermeister festnehmen und die Stadtkasse aushändigen. Niemand hat seinen Befehl hinterfragt. Die Uniform hat gereicht.

    Warum das funktioniert

    Der Psychologe Leonard Bickman ließ 1974 Passanten auf der Straße von einem Mann ansprechen, der ihnen kleine Anweisunen hab, z.B. eine Münze für eine fremde Parkuhr einzuwerfen. Trug der Mann eine Uniform, die nach Wachpersonal aussah, folgten deutlich mehr Menschen der Anweisung als bei Alltagskleidung, selbst wenn er gar nicht mehr daneben stand.

    Wir haben gelernt, auf Signale von Legitimität zu reagieren: Ausweis, Uniform, Firmenloge, Warnweste, Klemmbrett. Das spart im Alltag Zeit, weil wir nicht jeden Menschen einzeln überprüfen müssen.

    Im Unternehmen

    In vielen Firmen funktioniert der Zutritt über Mitarbeiterausweise. Kaum jemand schaut sich einen Ausweis wirklich an. Ein Umhängeband mit Karte und man gehört schon dazu. Dazu kommt noch das bekannte „Tailgating“. Jemand geht einfach hinter einer berechtigen Person durch die Tür, oft mit vollen Händen, damit man ihm aus Höflichkeit die Tür aufhält. Noch einfacher als ein Aiuswei ist of die Rolle selbst. Lieferant, Reinigungskraft, Techniker, Feuerlöscherprüfer. diese Menschen erwarten wir und fragen selten nach. Eine Warnweste ist billiger als jeder gefälschte Ausweis und wirkt fast gleich gut.

    Impersonation, für zehn Minuten jemand anderer sein

    Der Angreifer gibt sich als jemand aus, dem man vertraut. Ein Kollege, die IT, ein Lieferant, die Geschäftsführung. Dafür benötigt er drei Dinge:

    Recherche

    Name, Position, Vorgesetzte, Abteilung, interne Begriffe. Vieles davon steht auf LinkedIn, der Firmenwebsite oder in Pressemitteilungen. Mehr dazu Was ist OSINT und warum ist es relevant?

    Beziehung aufbauen

    Ein freundlicher, lockerer Einstieg nimmt den Gegenüber das Misstrauen. Wer nett ist, dem will man helfen.

    Selbstsicherheit

    Zögern wirkt verdächtig. Wer so auftritt, als wäre alles normal, wird selten hinterfragt.

    MGM Resorts, ein Anfruf, 100 Mio Schaden (2023)

    Im September 2023 legte ein Angriff die Systeme des Casino- und Hotelkonzerns MGM Resorts in Las Vegas für zehn Tage lahm. Spielautomaten fielen aus, Zimmerkarten funktionierten nicht, Buchungen mussten händisch erledigt werden. MGM bezifferte den Schaden auf ca $100 Mio.

    Der Einstieg war laut den Tätern selbst simpel. Die Gruppe „Scattered Spider“ suchte auf LinkedIn eine MGM Mitarbeiterin bzw. einen Mitarbeiter, rief beim IT Helpdesk an, gab sich als diese Person aus und ließ sich den Zugang zum Konto zurücksetzen. Das Gespräch soll ca. zehn Minuten gedauert haben. MGM selbst hat den genauen Weg nie bestätigt, aber die US Behörden CISA und FBI warnten kurz darauf offiziell, dass genau diese Gruppe sich am Telefon als Mitarbeiter oder Helpdesk ausgibt und Passwörter und MFA zurücksetzen lässt.

    Twitter, Prominente Konten über das Telefon gekapert (2020)

    Im Juli 2020 twitterten plötzlich die Kontent von Barack Obama, Joe Bidem Elon Musk, Bill Gates und Apple denselben Betrug. Wer Bitcoin schickt, bekommt den doppelten Betrag zurück.Twitter erklärte danach, dass die Angreifer gezielt einzelne MitarbeiterInnen angerufen und sich als interne IT ausgegeben hatten. So kamen sie an Zugangsdaten zu einem internen Admin-Werkzeug.

    Phishing, Social Engineering für die Masse

    Phishing ist eine der häufigsten Angriffsformen. Das Prinzip ist immer gleich. Eine Nachricht sieht aus, als käme sie von einer vertrauenswürdigen Stelle, z.B. einer Bank, einem Paketdienst, dem Vorgesetzen oder der IT Abteilung und erzeugt Druck etwas sofort zu tun.

    • E-Mail Phishing: Das klassische Mail mit Link zu einer gefälschten Login Seite. „Ihr Konto wurde gesperrt, handeln sie jetzt!“
    • Spear Phishing: Gezielt auf eine Person zugeschnitten, mit Namen, Position und Details aus der Arbeit. Deutlich schwerer zu erkennen.
    • Smishing: Gleich, jedoch per SMS oder Messenger Dienst, z.B. die Paket-SMS.
    • Vishing: Phishing per Telefon. Am Telefon ist man oft weniger vorsichtig, weil man eine echte Stimme hört und schnell reagieren muss,
    • Es ist fast immer so, dass Dringlichkeit und Angst genutzt wird um dich zu manipulieren.

    Manipulation im Alltag

    Falsche Nähe

    Wer ähnlich spricht wie wir, ähnliche Interessen hat und uns versteht, dem vertrauen wir leichter. Social Engineers spiegeln deshalb Sprache und Haltung des Gegenübers und erzählen persönliche Geschichten, bzw. zeigen viel Verständnis.

    Autorität

    „Der Geschäftsführer hat gesagt, dass muss heute noch überwiesen werden.“ Oftmals reicht nur ein Verweis auf eine Autorität, damit nicht nachgefragt wird. Wir wollen keinen Ärger und gehen davon aus, dass schon jemand anders sich darüber Gedanken gemacht hat.

    Emotionen

    Schuldgefühl, Angst, Mitleid, Schmeichelei. Wer emotional ist, denkt weniger kritisch. „Wenn das heute nicht klappt, verliere ich meinen Job.“ ist ein stärkerer Hebel als jedes Argument.

    Begründung notwendig

    Wie wenig es bracuht, zeigt ein klassisiches Experiment der Psychologin Ellen Langer. Eine Person bat die vor einem Kopierer wartenden Menschen, vorgelassen zu werden. Mit einer richtigen Begründung, wie „weil ich es eilig habe“ sagten deutlich mehr Leute Ja als ohne Begründung. Interessant war, dass auch eine sinnlose Begründung wie „weil ich Kopien machen muss“ fast gleich gut wirkte. Deswegen funktioniert auch der Mann in der Warnweste aus der Einleitung „Wegen der Klimaanlage im zweiten Stock.“ Begründung wird nicht überprüft.

    Der kleine Gefallen

    Ein besonders mächtiger Hebel ist Reziprozität. Wer uns etwas gibt, dem wollen wir etwas zurückgeben.

    Wie kann man sich schützen?

    Was du selbst tun kannst

    • Nachfragen ist nicht unhöflich. Wenn ein Unbekannter im Gebäude ist, frag freundlich nach zu wem er will und begleite ihn hin oder zum Empfang.
    • Eine geschlossene Tür ist eine geschlossene Tür. Man sollte niemanden ohne Ausweis einfach durchlassen, auch wenn er die Hände voll hat.
    • Wenn jemand anruft und isch als IT, Bank, Boss, Behörde oder Kollege ausgibt, auflegen und über die offizielle Nummer zurückrufen. Nie die Nummer verwenden, die der Anrufer nutzt.
    • Bei dringenden Mails oder SMS nicht auf den Link klicken, sondern die Seite selbst im Browser aufrufen oder die App verwenden.
    • Wenn sich etwas merkwürdig anfühlt, kurz innehalten. Ein Angreifer braucht deine schnelle Entscheidung.

    Was Unternehmen tun sollten

    • Besucher Managment etablieren, Besucher abholen und begleiten.
    • Sichtbar getragene Ausweise mit Foto und ein Ansprechen darf keine Konsequenzen haben
    • IT Support sollte Passwörter etc. immer über einen mehrstufigen Prozess zurücksetzen.
    • Phishing resistentes MFA einführen. Z.B. FIDO2 Keys oder Passkeys
    • Phishing Simulationen oder Social Engineering Tests durchführen
    • Melden sollte belohnt werden.

    Warnzeichen (Red Flags)

    Ein einzelnes Warnsignal heißt noch nicht, dass ein Angriff läuft. Aber je mehr zusammenkommen, desto genauer solltest du hinschauen.

    • Jemand ist im Gebäude, den niemanden erwartet hat
    • Ein Besucher will nicht begleitet werden oder hat es auffällig eilig
    • Ein Ausweis wird nur kurz gezeigt oder ist schlecht zu sehen
    • Ein Anrufer kennt viele Details, will aber keinen Rückruf
    • Es wird mit Zeitdruck, Angst oder Konsequenzen gearbeitet
    • Es wird auf eine Autoritätsperson verwiesen, die gerade nicht erreichbar ist
    • Du sollst einen Prozess „nur dieses eine Mal“ umgehen
    • Jemand fragt nach Passwörtern, Codes oder Zugangsdaten
    • Das Gespräch fühlt sich sehr vertraut an, obwohl du die Person kaum kennst
    • Du hast ein ungutes Gefühl, kannst aber nicht genau sagen, warum

    100% Sicherheit gibt es nciht. Aber ein freundliches „Zu wem möchten Sie denn?“ hilft meistens schon einen Angriff zu beenden.

  • Was ist OSINT und warum ist es relevant?

    Du postest ein Foto von deinem ersten Arbeitstag auf LinkedIn. Auf dem Foto erkennt man im Hintergrund den Empfang, auf deinem Schreibtisch liegt dein Mitarbeiterausweis. Zwei Wochen später bekommst du ein E-Mail von „deiner IT“, sie weiß genau in welcher Abteilung du arbeitest, wer dein Vorgesetzer ist und dass du erst frisch angefangen hast. Nur die „IT“ die dich kontaktiert ist nicht die von deinem Arbeitgeber. Alles was der Angreifer benötigt, findet er öffentlich.

    OSINT: Open Source Intelligence. Kurz und einfach: Sammeln, Auswerten und Korrelieren von Informationen aus frei zugänglichen Quellen. Oftmals reicht es aus zu wissen wo man suchen muss und die Daten richtig zusammensetzt.

    Woher kommen die Daten?

    Social media

    Facebook, X, Instagram, Xing, Linkedin, Google sind wertvolle Quellen. Man erfährt über Interessen, berufliche Verbindungen, wer mit wem zusammenarbeitet und teilweise auch, wo man sich gerade aufhält. Ein Urlaubsfoto gibt den Hinweis, dass man nicht im Büro ist. Jobwechsel werden publiziert, Kollegen und Vorgesetzte kommentieren.

    Nachrichten und Medien

    In den online Zeitungen und Fachmagazinen findet man oft was in der Branche los ist. Strukturelle Veränderungen, Übernahmen oder neue Standorte werden oftmals direkt publiziert.

    Öffentliche Register und Behördendaten

    Firmenbuch, Gerichtsdokumente, Ausschreibungen, Geschäftsberichte und behördliche Meldungen zeigen wie eine Firma strukturiert ist. Man erfährt wer zeichnungsberechtigt ist und of welche Verträge abgeschlossen wurden.

    Wissenschaftliche Publikationen

    Paper und Fachartikel geben eine tiefe Einsicht in Produkte, Themen, laufende Arbeiten, Partner und Technologien.

    Kommerzielle Datenbanken

    Es gibt auch kommerzielle Anbieter, die einige der gelisteten Quellen bündeln und bereitstellen.

    Darknet

    Hier kann man nach gezielt nach geleakten Daten, Passwörten, ganzen Accounts und Kreditkarten suchen.

    Beispiele aus der Praxis

    Strava verrrät Militärbasen (2018)

    Die Fitness-App Strava hat Ende 2017 eine weltweite Heatmap veröffentlicht, in der ungefähr drei Millarden GPS-Punkte aus den Jahren 2015 bis 2017 dargestellt wurden. Der Student Nathan Ruser erkannte 2018 mitten in der syrischen Wüste Laufstrecken, die auf Militärbasen hinwiesen. So wurden Patrollienwege und Versorgungswege in Syrien, im Irak, in Afghanistan und Somalia sichtbar. Ein Forscher konnte konnte auch einen französischen Soldaten vom Einsatz bis zur Ankunft im Heimatland verfolgen.

    StravaLeaks 2024

    „Le Monde“ hat 2024 die Recherche „StravaLeaks“ veröffentlicht, in der sie 26 US Agenten, 12 Leibwächter des Präsidenten und 6 Mitglieder des russischen Schutzdienstes mithilfe von öffentlichen Stravaprofilen identifizieren konnten. Teilweise mit vollem Namen und Familienfotos. Durch die Laufrunden konnten um die 100 Reisen von Hollande und Macron nachvollzogen werden. Ein Secret Service Agent startete seinen Lauf in einem Hotel in San Francisco nur Stunden bevor Biden dort 2023 Xi Jinping traf.

    Fake President bei FACC (2015/16)

    Einer der größten Betrugsfälle in Österreich: Eine Mitarbeiterin des Luftfahrtzulieferers FACC überwies ca. 50 Mio EUR an Betrüger. Sie erhielt täuschend echte E-Mails im Names des CEOs mit der Vorgabe dass eine vermeintliche Firmenübernahme bevorstehe. Mehr zur Methode unter Die Kunst der Identitätsvortäuschung

    Bellingcat und MH17 (2014-2016)

    Nach dem Abschuss von Flug MH17 in der Ukraine 2014 hat das niederländische investigativ Netzwerk Bellingcat nur mit öffentlichen Quellen gearbeitet. Social Media Fotos, Videos und Satellitenbilder zeigten den Weg eines BUK-Raketenwerfers auf einem Sattelschlepper. Die Soldaten der russischen 53. Flugabwehrbrigade posteten viele Fotos von ihrer Basis und der Ausrüstung. Dadurch gelang es Bellingcat über 200 Profile zuzuordnen und konnten das Fahrzeug bis zur Militäreinheit zurückverfolgen.

    Geklonte Stimme bei Fideuram (2026)

    Im Februar diesen Jahres bekam der ehemalige Präsident der Intesa-Sanpaolo-Privatbank Fideuram eine WhatApp Nachricht, angeblich vom Konzernchef. Dieser soll dringend Unterstützung bei einer Auslandstransaktion benötigen. Kurze Zeit später bestätigte ein angeblicher Partner, einer dem Präsidenten bekannten Anwaltskanzlei, den Auftrag telefonisch (mit geklonter AI Stimme). Es wurden ca. 95 Mio EUR an Betrüger überwiesen (53 Mio EUR konnten zurückgeholt werden).

    Schutzmaßnahmen

    Weniger ist mehr

    • Bewusst darauf achten, welche Informationen öffentlich von sich einsichtbar sind.
    • Man sollte sich überlegen, was Fremde für Informationen durch ein Posting erhalten.
    • Keine Ausweise, Fotos vom Arbeitsplatz, Bildschirme oder Whiteboards posten.
    • Urlaub nachher posten.
    • Privatsphäreeinstellungen bei Apps und Geräten prüfen
    • Standortdaten deaktivieren. Fotos enthalten oft GPS Daten die beim Hochladen mitgeschickt werden können.
    • Sich selbst googlen.

    Für Firmen:

    • Social Media Richtlinie
    • Sparsam veröffentlichen und genau prüfen welche Informationen preisgegeben werden.
    • Leaks und Darknet beobachten.
    • Sensibilisieren
    • Vertrauen und Kultur für konsequenzloses Nachfragen schaffen.

  • Die Kunst der Identitätsvortäuschung

    Was ist Identitätsvortäuschung?

    Du wirst per FaceTime von deiner Tante angerufen, sie bittet dich ihr dringend etwas Geld zu überweisen. Sie sieht ganz normal aus, irgendwas kommt dir zwar komisch vor, jedoch glaubst du dem Gesicht und der Stimme und überweist das Geld. Du denkst noch darüber nach, was an dem Telefonat komisch war. Du beschließt deine Tante anzurufen, sie hebt ab und ihr erkennt sofort, dass das Telefonat von vorhin ein Betrug war. Dir und vielen anderen geht es leider gleich, denn es ist heutzutage nicht mehr so einfach einen Fakecall zu erkennen. Solange es Trainingsdaten, wie z.B. ein paar Sekunden Audio und Video auf Social Media gibt, kann ein Angreifer diese Daten mittels AI verwenden, um einen gezielten Angriff durchzuführen.

    Durch AI ist es auch einfach, E-Mails oder Nachrichten im gleichen Ton des Opfers zu verfassen. Man kann sich leicht als CEO ausgeben und der Finanzabteilung ein Mail mit der Änderung von Bankdaten, oder der Aufforderung zur Überweisung einer dringenden Zahlung senden.

    Was ist im Umlauf?

    Vorgetäuschte Autorität

    Die Angreifer geben sich als Autoritätspersonen aus, wie .z.B. der/die CEO, Führungskräfte oder als Behördenorgane. Dadurch werden Opfer durch die vermeintliche Macht und Dringlichkeit dazu verleitet, Anweisungen zu folgen, bzw. auszuführen.

    Oftmals versuchen die Angreifer die Opfer zu stressen, damit sie unüberlegt handeln. Es ist aber auch möglich dass man bedroht oder erpresst wird. Z.B. wird mit Kündigung/Konsequenzen gedroht, wenn man den Anweisungen nicht Folge leistet.

    Besonders schwerwiegend ist es, wenn die Angreifer physisch vor Ort erscheinen und sich entsprechend gekleidet haben. Z.B.: mit Uniform, oder Gala-Anzug, oder einer üblichen für das Unternehmen passenden Kleidung.

    Der klassische IT Support-Fall

    Wenn du einen Anfruf von deiner IT Abteilung bekommst, da gerade auf deinem Computer Schadsoftware entdeckt wurde, und es dringend ist darauf zuzugreifen, könnte auch ein schwerwiegender Angriff dahinter stecken. Oftmals versuchen Scammer die Opfer dazu zu bringen Passwörter herauszugeben oder dass sie Schadsoftware installieren.

    Üblicherweise ist durch irgendein Problem ein Remotezugriff notwendig, oder es muss schnell ein wichtiges Softwareupdate installiert werden.

    Der falsche Dienstleister

    Angreifer geben sich, nach kurzer Beobachtung/Recherche auch gerne als falscher Dienstleister aus. Diese sind durch Firmenname am Fahrzeug und Kleidung leicht zu erkennen und nachzuahmen. Ziel ist meistens, Zugang zu den Räumlichkeiten oder zum Serverraum zu erhalten. Ebenso funktionieren Service Anrufe gut, da die meisten Firmen irgendwelche Geräte und Maschinen haben, die gewartet werden müssen.

    Was auch funktioniert sind Angriffe über Paket/Essenslieferanten, da die selten nach Ausweisen oder Legitimiation gefragt werden.

    Vermeintlicher Innentäter

    Wenn Angreifer umfangreiche Kenntnisse von internen Abläufen oder einzelnen Personen erhalten, können sie die Identität dieser vortäuschen und das Vertrauen, dass z.B. diese Person im Unternehmen genießt ausnützen. Umso größer das Unternehmen um so besser funktioniert der Angriff, weil man nicht alle MitarbeiterInnen kennt. So kann man auch interne E-Mail versenden, wo man weiß, dass es üblich ist Jahresberichte intern auszusenden. Diese können dann mit Schadsoftware oder Falschinformationen bestückt werden.

    Eine Teilnahme an wichtigen internen Meetings fällt bei größeren Meetings nicht auf und der Angreifer kann so vertrauliche Informationen erhalten.

    Ebenso können sie einfach in einem anderen Office auftauchen und sich so Zugang zu den Zielräumlichkeiten machen.

    Szenario

    Überlege was passieren könnte, wenn ein Angreifer sich als CEO ausgibt und ein wichtiges E-Mail zur stellvertretenden Buchhaltungsleitung sendet, dass ein dringender Kauf von einem kleinen Startup ansteht und nur noch diese Anzahlung zu machen ist und es überlebenswichtig für das Fortbestehen des Unternehmens ist. Der Angreifer hat im vorhinein herausgefunden, dass die Leitung im Urlaub ist (durch Social Media) und die Stellvertretung erst vor kurzem diese Position eingenommen hat (durch LinkedIn). Der Angreifer vermutet, dass sie dadurch eventuell leichter zu drängen ist eine unbedachte Handlung zu machen. Das E-Mail schreibt er so, wie es der CEO schreiben würde, da er auf der Website einen HR Bericht und Videos gefunden hat, wo der CEO spricht und der Angreifer sich generell ein Bild über die Kultur gemacht hat. Durch ein paar Testmails weiß er wie der Stil und Ton der Abwesenheitsnachrichten ist und kann dementsprechend eine ziemlich akkurate E-Mail senden.

    Wie kann man sich vorbereiten?

    Nachvollziehbare Verifizierung ohne Nachteile für die MitarbeiterInnen:

    Jede Anfrage für vertrauliche Informationen muss durch einen Identitätsnachweis begleitet werden. Immer mehrere Wege prüfen. Z.B. einen Anruf oder Videocall mit der Person machen. Am Besten immer die offizielle Telefonnummer und E-Mail Adresse für Rückfragen verwenden und nicht direkt auf die initiale Anfrage antworten. Z.B. bei dem Dienstleisterbeispiel. Die Kontaktwege sollten im Unternehmen bekannt sein und nur durch diese sollte der Dienstleister kontaktiert werden. Es sollte überall wo möglich Multi-Faktor-Authentifizierung eingerichtet werden. Überweisungen oder wichtige Prozesse sollten immer durch ein Vier-Augen-Prinzip und oder einem Mehrstufigen Freigabeprozess abgesichert werden.

    Sensibilisierung

    Es muss eine Kultur herrschen, in der ein Nachfragen kein Problem darstellt. Es muss dem Personal ermöglicht werden, ohne Konsequenzen nachzufragen. Schulungen zu Angriffsmethoden und Szenarien sollten regelmäßig durchgeführt werden. Simulationen, bzw. Übungen sollten vor allem für die Kontaktstellen des Unternehmens (Empfang, Sekretäriat, Office) durchgeführt werden. Wachsamkeit soll belohnt werden.

    Grundlegende IT Sicherheitsmaßnahmen:

    State of the art Sicherheitsmaßnahmen sollten das Minimum sein (Access control, Antivirus, Spamdetection, Schwachstellenerkennung, Audits, Sicherheitszonen etc.). Kommunikationswege/Medien in Abhängigkeit zur Sensibilität der Informationen sollten vorhanden und geschult sein. Es muss einen gelebten Prozess für sicherheitsrelevante Ereignisse geben

    Warnzeichen (Red Flags)

    Einzelne oder mehrere Warnzeichen besagen nicht unmittelbar, dass man angegriffen wird. Aber umso mehr Warnzeichen erkannt werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass man Angegriffen wird.

    • Eine Anfrage ist super dringend
    • Unbekannte Person
    • Noch nie von der Firma gehört
    • Es muss schnell überwiesen werden
    • Ich bin nicht der Empfänger der Mail
    • Ich erwarte keine Nachricht von dieser Person
    • Ich erwarte keinen Anruf von dieser Person
    • Der CEO ist eigentlich im Urlaub
    • Der vorgezeigte Ausweis hat kein Foto, oder es fehlt etwas anderes
    • Ich bekomme unerwartet ein Geschenk
    • Nur ich kann die Welt retten
    • Mir wird gedroht
    • Ich werde unter Druck gesetzt
    • Ich erwarte keinen Besuch
    • Ich bekomme ungewöhnlich viele Fragen gestellt
    • Es wird ein Gegenstand hinterlassen/gefunden
    • Jemand schlüpft hinter mir durch die Tür
    • Jemand gibt vor er ist besonders wichtig
    • Ich bekomme unerwarteten Support/Anruf von der IT#
    • Ich werde nach Zugangsdaten gefragt
    • Ich werde nach Abläufen gefragt
    • Abweichende Mailadresse
    • Ich erhalte seltsame Links
    • Die Nachricht/Mail erzeugt Angst (Konto wird gesperrt etc.)
    • Ich soll einen Prozess umgehen
    • Ich werde seltsam angesprochen

    100% Sicherheit gibt es nicht. Jedoch kann man durch ein paar Anpassungen und Maßnahmen das Risiko reduzieren.

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  • How to hack everyone

    In the spirit of Bruce Schneier’s „Amateurs hack systems, professionals hack people, “ I would like to look at the various attack vectors of social engineering and the defense options suitable for them in this blog post. Psychological and sociological relationships of people take the central role in this type of attack. With the constant technological advancements in information security, it is becoming more and more difficult for cybercriminals to penetrate companies and steal information. For this reason, more and more attacks are targeting the human vector. 

    Social engineering has evolved steadily since the first attempts at trickery, and attackers are getting better and better at their methods. A well-prepared attack remains predominantly undetected and is only recognized when the damage occurs. Most of the time, you are on your own and need a healthy gut feeling to recognize the scam of the social engineers. There are countless types of security awareness measures and guidelines to prepare employees for security incidents, but these are often not enough. 

    What exactly is social engineering?

    Social engineering is the act of manipulating a person to either obtain information or trigger a particular behavior. To do this, attackers take advantage of major components of the human psyche. Influencing people requires good planning, deception, and a deep understanding of human behavior.

    Who is attacking?

    It is sometimes difficult to accurately categorize the perpetrators in industrial espionage, and competitive spying since only cases with known suspects and perpetrators can be evaluated. The number of unreported cases is difficult to estimate. The perpetrators have a good knowledge of information and communication technology and know-how about vulnerabilities in systems, processes, and exploiting people. 

    Professional criminals

    Professional criminals pose a significant threat to a company. In most cases, they operate from within a criminal organization, which already has a very high degree of professionalism. They also offer services for the not-so-experienced attackers. That enables even the less well-equipped attackers or those less proficient in information and communication techniques to carry out far more complex attacks. The organizational structure of this category of cybercriminals is very similar to the hierarchical structure of a company. The diverse business models of the organization have a financial motivation to a large extent.

    Internal perpetrators

    The potential threat to a company posed by internal perpetrators is considerable and can sometimes be treated as the greatest danger to the company. Here, insider knowledge is deliberately used to gain an advantage. They may sell information to the competition gathered through accessing confidential data. Most of the attacks are performed by employees who have left the company, service providers who still have access to the company’s systems, and employees forced by criminals to perform damaging actions. They also use social engineering techniques to gain access to information to use this information to their advantage. Interaction with internal perpetrators can be initiated by competitors and provides other potential attack surfaces for corporate espionage or competitive spying. A negative working atmosphere favors the information leak. Employees who no longer identify with the company’s goals can become internal perpetrators. The so-called „internal resignation“ represents a high risk for the affected companies since the employee no longer has a personal bond with the company. Thus, the inhibition threshold for intrinsically motivated offenses is lowered, making it easier to exert external influence. A lack of loyalty has very many causes. One contributing factor is when employees experience too little appreciation or career decisions favor another person for advancement. In addition, an unfavorable management culture can have a substantial impact on employee loyalty. Former employees can also be identified as internal perpetrators since they possess internal know-how and, in the most damaging case, also have access rights to the old company. The transfer of knowledge in outsourcing situations or when staff leaves also poses a potential threat. The offenses are usually motivated by the internal perpetrators who derive a personal or financial benefit from them. That can serve to finance a high standard of living or is motivated by the perpetrators‘ desire to build prestige. Due to the lack of prospects in the company, the internal perpetrators also lack an awareness of injustice and thus increase their willingness to commit a crime.

    Social Engineering Examples

    To illustrate the nature and approach of a social engineer, I’ll give you a short description of one of the best-known social engineering attacks:

    Stanley Mark Rifkin had carried out one of the first social engineering attacks in 1978. His target was the Los Angeles bank. Rifkin was an outside contractor helping to develop a system for the internal accounting department. This allowed him to learn the bank’s internal procedures for wire transfers. He was able to understand which bank employees were authorized to make wire transfers. These employees were given a new secret code every day so they could identify themselves when they called.

    Since these employees did not want to memorize the code, it was written down on slips of paper visible at the workplace. Rifkin wanted this code, and came to the office with the pretense that he needed to check the system that had been developed. This procedure allowed him to read and memorize the code for that day secretly. Sometime later, he went to a payphone and dialed the booking department. Now he pretended that he was a colleague from the international department of the bank. He could quickly answer the query about the office number since he had researched it before. He was also able to name the transfer code. He wanted to have a transfer of ten million dollars made to an account he had set up in Switzerland. The counterpart asked for an office-internal account number, which he could not answer immediately. He asked for a moment and made another phone call. This time, he called another department of the bank and pretended to be an accounting department employee to get the internal billing number. This additional number was then used to initiate the wire transfer. A few days later, Rifkin flew to Switzerland, exchanged the money for diamonds, and returned to the United States.

    I’ll explain another social engineering attack:

    The competitor of an engineering company for technology wants to spy on the competitor, which has developed a new technology. The attacker discovers on the company’s homepage that the company’s CEO John Doe is away on a business trip. The social engineer dresses like a top manager, rents an expensive limousine, and takes a driver to the engineering office. To create the impression of a top manager, he also copies such people’s behaviors and body language. When he arrives at the company’s reception, he introduces himself as a high-ranking manager of a corporation. He is there to pick up the documents Johnny promised him. He also proves his identity with his fake business card. The attacker tells the receptionist that he met with the CEO at a trade show and told him about the deal. For this trade, he now urgently needs these documents to convince his colleagues in his company. The receptionist forwards his request to the deputy manager. The deputy gets the same presentation. He urges him to hand over the documents, knowing that the CEO is unavailable due to the time difference. The attacker threatens to withdraw the deal and give the money to another company. The deputy relents and hands over the documents. The attacker has learned of the CEO’s absence through social media and knows that he will not be continuously available due to the time difference.

    Information extraction

    Information is essential for the social engineer. The number of attack vectors increases the more information has been gathered. You can combare that to military reconnaissance, whereas as much information is gathered about the target and the circumstances. Even minor details about the target of an attack can be helpful. How is the information collected? As an example, a simple mail from a company already has strong telling power. A Mail usually contains the phone number, vacation absence, company name, position in the company, and suggests the culture. When an out-of-office message is displayed, attackers can assume that the person will not be available promptly. Attackers‘ sources of information include search engines, forums, blog posts, company websites, and social media platforms.

    Additionally, the social engineer performs personal reconnaissance. Observation of access points, surveillance systems, or entrances often provides insight into cleaners‘ operations, delivery, and schedules. Dumpsters can be searched for paper to provide relevant information. Paper scraps, if not shredded small enough, can be recovered.

    Pretexting

    If you are playing a role and pretend to be someone else, that’s called pretexting. It involves creating a trust scenario to influence the target to reveal information or perform a specific action. The attackers imitate a person in behavior, pronunciation, appearance and create a suitable backstory. The foundation of a pretext is excellent research. The more information you have about the character you want to imitate, the higher the probability of success.

    Elicitation

    Elicitation is the process of obtaining information without directly asking questions. The goal is to get as much information as possible through a normal conversation without feeling questioned. The social engineer gets the proverbial foot in the door through flattery. Compliments make information gathering easier because people like to tell people about their accomplishments. False claims by the attacker are corrected by the victim because there is an intrinsic need for clarification.

    Rapport

    Rapport can create an atmosphere of trust so that someone is willing to reveal information or perform specific actions. As an example, people feel safer when they are among like-minded people. They feel connected and part of the whole. Most of the techniques for this come from NLP, Neuro-Linguistic Programming, when, for example, breathing is done at the same speed as the other person’s breathing. Adjusting tonality and body language are also among these methods.

    How to manipulate people?

    The social engineer uses the following methods to influence people unnoticed. Psychologist Robert B. Cialdini describes these techniques in his book Influence, The Psychology of Persuasion. I will briefly describe these principles.

    Reciprocity

    Reciprocity originates in sociology and refers to exchange and interaction. When someone gives something, there is an intrinsic expectation on the part of the recipient to do something in return or give something in return. An example is when someone holds the door open for you. Here the obligatory feeling arises to return the favor. Attackers can use this method to circumvent access systems by doing the target a favor just before the entrance door.

    Commitment and consistency

    People feel the need to be consistent in their statements, attitudes, and actions and portray this. Consistent behavior is given a high value by society and proves itself in everyday life. This reduces complexity because decisions that have already been made are not reviewed again. Once a decision has been made, pressure from society and pressure from within makes itself felt. This pressure reinforces the feeling of remaining consistent with the decision. This commitment increases relative to duration. The more time or effort that goes into something, the harder it becomes to change or deviate from it. A social engineer uses the first commitment because people are more likely to be open to requests and favors if they are consistent with the first commitment. For information gathering, as an example, each question is phrased to be answered in the affirmative. Through the positive answers, the victim gets into a consistent attitude, and it is difficult for the victim to deviate from it. The intrinsic aspect in this is that the victim also sees himself as consistent. Extrinsic motivation comes from society, as there is also a desire for consistency. It is not easy to move away from a public, verbal, and unenforced commitment.

    Authority

    People are taught from the ground up to respect parents, teachers, and police officers. This principle is taught to the child and continues into adulthood. People are elevated to a kind of position that others follow and adjust their behavior accordingly. How far people can go in this process is shown by the Milgram experiment. People were motivated to punish others with electric shocks in case of a wrong answer by a doctor’s instruction. Cialdini divides authority into three types, legal, organized, and social. Legal authority refers to the administration, executive, and public service areas. Police Officers, Notaries, Lawyers serve as examples. Authority through the hierarchy is called organizational authority. For instance, senior managers, chief compliance officers, and IT officers. Titles, clothes, and cars are symbols with which social authority is associated.

    Social Proof

    The principle of social proof comes from the need to belong to a group. People base their actions and views on the mainstream of humanity. Accordingly, ideas, beliefs, and activities are aligned to the mainstream. This extends to behaviors and also to risks. The more people hold an opinion, the more correct it becomes for others.

    Sympathy

    Humans prefer other individuals, which they know and find sympathetic. This behavior comes from the basic need to form and maintain relationships with others. Physical attractiveness plays a significant role along with similarity. Compliments have a strong positive effect on people and allow tricksters to use them specifically to build sympathy.

    Scarcity

    The scarcity principle describes that opportunities appear far more attractive and valuable to people if they are rare or difficult to obtain. An example would be the classic marketing slogan, „Only three left, grab them now“. What becomes apparent here is the fear of loss and a kind of deprivation of freedom. For example, a social engineer can pressure a person by pretending that a deal can only be closed for a certain amount of time. 

    Framing

    The personality structure of people, which is formed from their emotional, psychological, and personal experiences, controls how they deal with experiences. A social engineer can thus identify a person’s motivations, making it easier to empathize with them by finding commonalities and targeting them.

    Attack Vector

    The outcome of the information gathering significantly influences the attack path and technique. I will briefly discuss the most commonly used attack vectors.

    Attack from inside

    The internal perpetrators themselves pose a significant threat to a company. However, the internal perpetrators also serve as a target for externally motivated attacks. In this attack vector, permissions are misused to access sensitive information and then pass it on.  Obtaining information is ensured, among other things, by exploiting authorizations, copying documents without approval, or eavesdropping in on confidential conversations. The potential threat level of internal perpetrators increases with third parties and suppliers commissioned by the company. That includes outsourcing, consulting firms, and acquiring other companies. The more persons have access to company information, the higher the probability that information will be leaked.

    Email and Phishing

    Phishing mail is also a type of social engineering attack. Emails are sent to as many recipients as possible, containing links to fake websites intended to trick the employee into entering a password. However, these messages may also contain compromised attachments that execute malware on the system when opened. The primary use of these phishing emails is identity theft and intrusion into other people’s systems. Social engineers can also use them to target companies, for example, if they have previously learned through research that a bonus payment is due. It is then easy to compose an email containing a list of bonuses as an attachment. The probability that employees will click on this attachment is very high. Another method of phishing is CEO fraud. The attackers fake the identity of high-ranking employees to send a message in this name to hierarchically lower employees so that they then perform actions. For example, the employee may be ordered to transfer money or information. To carry out this type of deception, There has to be intensive information research to carry out this type of deception. Here, the attackers need internal knowledge and processes to redirect a money transfer to their account at precisely the right time. 

    Vishing

    Vishing, derived from „voice“ and „phishing“, refers to an attack by telephone call. Here, an attempt is made to elicit information from the victim by provoking and influencing, as described earlier. The social engineering attack on the Bank of Los Angeles described at the beginning uses this attack vector.

    Physical

    The physical attack requires confronting the victim in person. Here, the attackers use the method of pretexting. As an example of such an attack vector, the second described social engineering attack can be mentioned, in which the attacker pretends to be a top manager.

    Baiting

    USB sticks are deliberately placed on company premises or in parking lots near company buildings in this baiting method. These are prepared with malware to open access to the company network when inserted or played. The social engineer can then use this access for further attack methods.

    Tailgating

    This method uses reciprocity, among other things, to gain access to a protected area or to enter the company premises. Another way to get through an access door is for the attackers to force their way immediately behind the person with an access card. Additionally, attackers may carry a cardboard box as a pretext to symbolize no free hand to reach their access card and let those in front let them through.

    Protection

    How can companies protect themselves against social engineering?

    The simple answer is to ask! If you are unsure about a request, simply ask your supervisor or colleague for help and don’t act on urgency. It also helps to have an essential awareness of this topic. If you are aware of the possibilities of manipulation, it is easier to recognize such patterns.

    It is also important to be careful about what information you post on a social network. If you constantly update your status, a social engineer can use the information to infer internal procedures and processes or absences in a broader sense, and that’s not good. 

    Basic technical protection according to state of the art is always good.

    Have a wonderful day!